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Hildegard von Bingen

ihre theologischen und heilkundlichen Werke

Von Dr. Wolfgang Schuhmacher

Im Jahr 1151 vollendete Hildegard von Bingen ihr Erstlingswerk „SCIVIAS“ (Wisse die Wege), das sie noch auf dem Disibodenberg begonnen hat. Das Buch „SCIVIAS“ ist eine Glaubenskunde in drei Teilen mit 26 Visionen. Der erste Teil handelt von der Schöpfung, dem Fall der Schöpfung durch die Sünde des ersten Menschenpaares, sowie den Folgen des Sündenfalls.  Der zweite Teil geht aus von der Erlösung durch Christus und schildert die Fortsetzung des Erlösungswerkes durch die Kirche. Im dritten Teil wird das gesamte Heilsgeschehen als Gebäude dargestellt, an dem bis zum Tag der Vollendung gebaut wird. Die Geschichte von Gott und Mensch, von Abkehr und Hinwendung des Menschen zu seinem Schöpfer wird in immer neuen Bildern anschaulich gemacht. Beeindruckend an Hildegards Visionsschriften ist vor allem ihre elementare Sprachgewalt.

Im Kloster Rupertsberg schrieb Hildegard nach ihrem Erstlingswerk Scivias ihre weiteren Werke. Der „LIBER VITAE MERITORUM“ –  „Das Buch der Lebensverdienste“ entstand in den Jahren von 1158 bis 1163. Dieses Werk ist eine Lebenskunde, die den Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung führen soll. 35 Tugenden und Laster führen hier ein Wechselgespräch. Der Mensch wird in die Verantwortung vor Gott und der Welt gestellt und muss sich zwischen Tugend und Lastern entscheiden.

Der „LIBER DIVINORUM OPERUM“ – „Das Buch vom Wirken Gottes“ entstand in den Jahren 1163 bis 1173. Dieses dritte Buch ist gewissermaßen die überhöhende Zusammenfassung ihrer Werke. Es beschreibt in zehn eindrucksvollen Visionen das Wirken Gottes. In atemberaubenden Bildern der Seherin erscheint hier die gesamte Heilsgeschichte.

Schließlich sind uns von Hildegard auch zwei Heilkundliche Schriften im „LIBER SUBTILITATUM DIVERSARUM NATURARUM CREATURARUM“ überliefert. Dieses Buch ist in zwei Schriften (die „PHYSIKA“ – Naturkunde und „CAUSAE ET CURAE“ – Heilkunde) gegliedert. In  „PHYSIKA“ beschäftigt sie sich mit den Pflanzen, Elementen, Bäumen und den Steinen und weiter mit den Fischen, Vögeln und Säugetieren wie auch mit dem Ursprung der Metalle.

„CAUSAE ET CURAE“ dagegen handelt über Krankheiten des Menschen, Ernährung und Verdauung, Gemütsbewegungen, Wachen und Schlafen, Gehen und Stehen und viele Anweisungen zur gesunden Lebensführung.

Die Fülle der Gedanken und des Wissens im Werk der heiligen Hildegard lassen die Seherin als eine außergewöhnliche Universalgelehrte erscheinen.

Daneben hat Hildegard zahlreiche Briefe, von denen mehr als 300 überliefert sind, und  77 Lieder verfasst.